Qualität in der Ausbildung

von Gerald Stockinger
Ein Beitrag zur Print-Dokumentation "UMSONST - und sonst?" der "Enquete zum freiwilligen Engagement junger Menschen" vom 14. Oktober 2011.
Qualität in der Ausbildung

Als Beitrag zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit organisierte die Bundesjugendvertretung auf Einladung von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer eine Enquete im Palais Epstein, in deren Rahmen die Anliegen, Bedürfnisse und Forderungen von jungen Freiwilligen an MinisterInnen, Nationalratsabgeordnete und an die Nationalratspräsidentin herangetragen wurden. Auch die PPÖ leisteten mit einem Vortag zum Thema "Qualität in der Ausbildung" einen Beitrag.

Was ist Qualität?

Qualität ist der "Grad der Erfüllung der Anforderungen" sagt die Theorie. Doch um welche Anforderungen handelt es sich in der JugendleiterInnenausbildung?

Unsere Zielgruppen

Die Ausbildung von Kinder- und JugendleiterInnen hat zwei Zielgruppen. Jede für sich hat ihre Bedürfnisse und stellt dementsprechend Anforderungen an das Ausbildungssystem.

Freiwilliges Engagement

Die direkte Zielgruppe sind selbstverständlich die JugendleiterInnen, also die erwachsenen Ehrenamtlichen. Sie erwarten sich im Rahmen ihrer Ausbildung die nötigen Kompetenzen für ihre Aufgabe vermittelt zu bekommen, und das am besten in einem lustvollen Umfeld, das sich mit dem eigenem Beruf und Privatleben vereinbaren lässt.

CaEx unterwegs

Die indirekte Zielgruppe sind die betreuten Kinder und Jugendlichen. Sie erwarten sich beispielsweise ein forderndes und abwechslungsreiches Programmangebot, sympathische, engagierte LeiterInnen sowie aufregende Erlebnisse in ihrer Gemeinschaft. Auch das muss das Ausbildungssystem leisten, nämlich die Vermittlung des pädagogischen Konzeptes, also wie wir mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, welche pädagogischen Schwerpunkte und Werthaltungen wir unserer Arbeit zugrunde legen, und wie wir dieses Konzept in Form unseres Kinder- und Jugendprogramms methodisch umsetzen.

Zusammenfassend sprechen wir also dann von einer hohen Qualität des Ausbildungssystems, wenn es die Erfordernisse der Kinder- und Jugendarbeit und damit seiner beiden Zielgruppen bestmöglich erfüllt.

These 1

Qualität in der Ausbildung von JugendleiterInnen ist die Orientierung an den Anforderungen und Bedürfnissen der Ehrenamtlichen sowie der betreuten Kinder und Jugendlichen.


Methoden der Qualitätssicherung

Viele Jugendorganisationen haben bereits ein bestehendes Ausbildungssystem, doch die Rahmenbedingungen und Anforderungen ändern sich über die Zeit. Um diesen Änderungen und dem Streben nach Optimierung gerecht zu werden, besteht die eigentliche Herausforderung in der laufenden Qualitätssicherung und der ständigen Weiterentwicklung.

Aus dem Qualitätsmanagement kennen wir dazu den "Verbesserungskreislauf" – er fordert uns auf nicht stehen zu bleiben, sondern das eigene Tun sorgfältig zu planen, die Ergebnisse regelmäßig zu überprüfen und darauf aufbauend Maßnahmen zur Verbesserung zu setzen. Im Rahmen der Ausbildung gilt das für einzelne Seminare, wo sich der Zyklus von Veranstaltung zu Veranstaltung wiederholt, wie auch für das gesamte Ausbildungssystem selbst, das alle paar Jahre in größerem Stil evaluiert wird.

Verbesserungskreislauf

Stichwort "Evaluation"

Die Bandbreite ihrer Methoden sprengt den Rahmen dieses Beitrages, sie finden sich in einschlägiger Literatur. Für Non Profit Organisationen empfiehlt sich als wirksames Vorgehensmodell die sogenannte "Selbstevaluation", also "das eigene Tun selbst zu bewerten".

Dabei prüft die Organisation selbst ob die angestrebten Ziele erreicht worden sind und ihre eigenen Mitglieder (TrainerInnen, Trainees oder AusbildungsexpertInnen) evaluieren, welche Verbesserungen nötig sind. Es handelt sich dabei um einen systematischen, kriteriengeleiteten Prozess, der den Ist-Zustand erhebt, auswertet und interpretiert.

Dazu gibt es vielfältige Methoden. Übliche Standards sind die Befragung von TeilnehmerInnen mittels Erhebungsbögen, das persönliche Interview, die Beobachtung durch das Ausbildungsteam anhand von Checklisten, themenorientierte Gruppenarbeit, Einsatz von Fokusgruppen oder die Sammlung von Best Practices innerhalb und außerhalb der eigenen Organisation. Die Instrumente können kreativ der jeweiligen Evaluierungssituation angepasst und mit allen Sinnen erlebt und bearbeitet werden.

These 2

Hohe Qualität des Ausbildungssystems benötigt einen kontinuierlichen Verbesserungskreislauf auf Basis regelmäßiger Selbstevaluation und Verankerung entsprechender Methoden im System.


Standardisierte Qualitätskriterien

Mit dem Wissen, was qualitativ hochwertige Kinder- und Jugendarbeit ausmacht, lassen sich Qualitätskriterien beschreiben, welche die Basis für eine bundesweite Zertifizierung der Ausbildung zur Jugendleiterin beziehungsweise zum Jugendleiter sein können. Eine solche öffentliche Anerkennung fehlt leider in Österreich - die JugendleiterIn-Card in Deutschland ist dafür ein erfolgreiches Vorbild, das in Österreich analog umgesetzt werden sollte.

Das Zertifikat aufZAQ ist hingegen ein österreichisches Erfolgsmodell: Es bestätigt ein hohes fachliches Niveau von Lehrgängen aus dem kinder- und jugendpädagogischen Bereich. Dieses Gütesiegel ist es unbedingt wert weiterhin zu fördern und zu erhalten - es spezifiziert allerdings noch nicht eine allgemein gültige Ausbildung für JugendleiterInnen.

Für eine bundesweite Zertifizierung der JugendleiterInnenausbildung auf Basis einheitlicher Qualitätskriterien ist ein klarer Auftrag und die Bereitstellung entsprechender finanzieller Mittel durch die Politik nötig. Die Bundesjugendvertretung könnte die Federführung für die Erstellung der Kriterien unter Mitwirkung ihrer Mitgliedsorganisationen übernehmen, das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend den nötigen Rahmen schaffen und die Mittel für Infrastruktur und Verwaltung bereitstellen.

Die Kriterien für die Zertifizierung sollten beinhalten:

  • Beschreibung der nötigen Kompetenzen in der Kinder- und Jugendbetreuung
  • Umfang (zum Beispiel Anzahl der Lerneinheiten)
  • Rahmenbedingungen (zum Besispiel Voraussetzungen, nachgewiesene Praxis, Transfer des Gelernten)
  • Nachweis der Qualifikation von TrainerInnen und BetreuerInnen
  • Verpflichtung der Jugendorganisation zu einem kontinuierlichem Verbesserungsprozess des Ausbildungssystems
  • Erhalt der persönlichen Zertifizierung durch Nachweis von laufender Weiterbildung

Forderung

Ausbildungssysteme für JugendleiterInnen sollten auch in Österreich auf Basis standardisierter Qualitätskriterien zertifiziert sein, um damit die Qualifikation der Freiwilligen öffentlich anzuerkennen.


Weiterführendes

Beitrag zur Enquete im Palais Epstein